Sofortige Sicherungsmaßnahmen an Störmthaler Kanal notwendig

Leipziger Volkszeitung 25.03.2021

Nachterstedt ist überall: Die Tagebausanierer der LMBV sorgen sich nach einem neuen Gutachten um die Standfestigkeit der Schleuse zwischen Markkleeberger und Störmthaler See. Sicherungsmaßnahmen sollen sofort starten, die Seen und der Kanal vorläufig für Boote gesperrt werden.

Stabilität in Gefahr: die Kanuparkschleuse zwischen Markkleeberger und Störmthaler See mit der MS Wachau bei der Eröffnung 2013. Quelle: LVZ/André Kempner

Leipzig/Markkleeberg Schäden an den Böschungen und Risse nahe dem Schleusenbauwerk: Mit drastischen Sofortmaßnahmen reagieren die Tagebausanierer der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbauverwaltungsgesellschaft (LMBV) auf geologische Alarmsignale am Störmthaler Kanal. Zusätzliche Querbauwerke oberhalb und unterhalb des Schleusenbauwerkes würden ab nächster Woche in den Kanal eingebaut, um eine temporäre Sicherung zu schaffen und weitere Maßnahmen risikolos vorbereiten zu können, kündigte die LMBV an. Zusätzlich sollen die Bootsnutzung auf dem Störmthaler See, im Störmthaler Kanal und auf dem Markkleeberger See vorübergehend untersagt, auch zwei Wirtschaftswege am Kanal gesperrt werden.

Gutachter findet Risse

Im Rahmen des regulären Monitoring seien Böschungsschäden und Rissbildungen nahe dem Schleusenbauwerk (Kanuparkschleuse) festgestellt worden, teilten die Bergbausanierer am Mittwoch mit. Das Sächsische Oberbergamt und die Landesdirektion Sachsen seien informiert, die Sofortmaßnahmen veranlasst worden. Hintergrund der Maßnahme ist auch die Sorge um einen Erdrutsch wie in Nachterstedt im Jahr 2009, bei dem in einem Tagebausanierungsgebiet eine 350 Meter lange Böschung ins Rutschen geriet, Menschen getötet, große Sachwerte beschädigt wurden. Seitdem lassen die LMBV regelmäßig kritische Stellen wie die 2013 eröffnete Seeverbindung nahe dem Kanupark von Gutachtern auf ihren Zustand prüfen. Der Störmthaler See liegt etwa vier Meter höher als der Markkleeberger See. Entsprechend groß sind auch die hydraulischen Kräfte, die auf die Erdmassen zwischen den Seen und dem Sperrbauwerk drücken.

„Defizite bei Standsicherheit“

Hintergrund für die aktuelle Maßnahme ist ein im März 2021 im Auftrag der LMBV von einem Sachverständigen-Team vorgestelltes geotechnisches Gutachten. „Es zeigt Defizite bei der dauerhaften Standsicherheit der Seitenböschungen und des Schleusenbauwerks auf und empfiehlt insbesondere eine zeitnahe Abriegelung des Bereichs, weitere Kontrollen und eine messtechnische Überwachung“, so die LMBV weiter. Zur Ermittlung der Ursachen seien weitere Untersuchungen erforderlich.

„Perspektivisch sollen Sicherungsmaßnahmen zur Wiederherstellung der geotechnischen Sicherheit und der wassertouristischen Nutzungsfähigkeit der Anlagen veranlasst werden. Eine Arbeitsgruppe aus Vertretern der zuständigen Behörden, aus Gutachtern, kommunalen Vertretern und der LMBV sei dazu am Dienstag ins Leben gerufen worden. Am Freitag wollen die LMBV weitere Details ihrer Pläne erläutern.

Von Jörg ter Vehn

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