Findet Sachsens Baumriesen

– Über den Mehrwert alter Bäume – Eine sachsenweite Mitmachaktion –

Große, alte Bäume sind ein Schlüsselfaktor zum Erhalt der biologischen Vielfalt in unseren Wäldern und im Offenland. Verschwinden die alten Bäume aus unserer Umwelt werden mit ihnen unzählige weitere Arten verloren gehen. Eine englische Erhebung hat ergeben, dass z.B. Eichen einen Lebensraum für bis zu 2300 verschiedenen Arten bieten können. Die Artenvielfalt pro Baum steigt mit zunehmenden Alter in Folge der sich entwickelnden Kleinstbiotope stark an. Beispiele für diese Kleinstbiotope sind z.B. Totholz, Astlöcher, Rindentaschen, Stammverletzungen oder z.B. Spechteinschläge.

,,Zehntausend 100 Jahre alte Eichen sind kein Ersatz für eine 500 Jahre alte Eiche’’ (Oliver Rackham, 2015 verstorbener britischer Botaniker)

Stieleiche in Kieritzsch

Schaut man auf Deutschland gibt es bei uns eine Reihe von Baumarten, welche potentiell älter als 1000 Jahre alt werden können. Hierzu zählen vor allem Linden, Eichen, Eiben und Lärchen. Jedoch gibt es laut der Initiative Nationalerbe-Bäume Deutschlands nur sehr wenige wirklich alte Bäume und wahrscheinlich keinen einzigen über 1000 Jahre alten deutschen Baum. Wie schlecht es zum Beispiel um alte Eichen in Deutschland steht zeigt der Vergleich mit England. Eine Inventur unter den alten englischen Eichen welche 2017 unter anderem vom Woodlantrust veröffentlicht wurde ergab, daß es in England mit 3400 Exemplaren mehr alte Eichen als in Kontinentaleuropa gab. Bei der Erhebung kamen 1200 bis dahin nicht bekannte alte englische Eichen zu Tage. In Deutschland sind nur etwa 120 über 400 Jahre alte Eichen bekannt. Es stellt sich natürlich sofort die Frage warum das so ist. Viele wirklich alte Bäume stehen in Deutschland solitär in der Landschaft und nicht im Wald. Ursächlich dafür ist, dass die deutschen Wälder fast vollständig seit mehr als 300 Jahren forstwirtschaftlich genutzt werden. Heutzutage sind nur noch etwa 25% der deutschen Bäume älter als 100 Jahre und 2,5% älter als 160 Jahre

„Tausendjährige Linde´´in Collm bei Oschatz, Umfang 11 m

Alte Bäume sind nicht nur ansehnliche Landmarken, sondern vergleichbar mit historischen Gebäuden, auch ein wichtiger Bestandteil unserer Historie. Jedoch sind unsere Baudenkmäler, die meist jünger als die Baumriesen sind, vom Gesetz besser geschützt. Viele alte Bäume werden häufig Opfer einer übertriebenen Interpretation der Verkehrssicherungspflicht und von nicht adäquaten Pflegmaßnahmen.  Die Dürresommer der letzten 3 Jahre haben den Baumriesen natürlich auch stark zugesetzt. Weiterhin wird häufig bei landschaftsprägenden alten Solitärbäumen nicht rechtzeitig an die Pflanzung eines würdigen ,,Erben’’ gedacht. Wenn überhaupt, erfolgen die Ersatzpflanzungen häufig erst nach Verlust des alten Baumes. Wenn dieser entfernt wird verschwindet mit ihm der erwähnte wichtige Lebensraum ersatzlos. 

Die Mitmachaktion „Findet Sachsens Baumriesen´´ möchte sachsenweit auf den Mehrwert der Baumriesen aufmerksam machen, diese besser schützen und vielleicht auch den einen oder andern Veteranen unter den Bäumen neu entdecken. 

Messhöhe vom Boden: 1,3 m

Gemeldet werden sollen alle Bäume mit einem Umgang größer gleich 4 m in einer Messhöhe von 1,3 m. Die Meldung erfolgt über die kostenlose Flora Capture App. Flora Capture ist im Prinzip eine Art digitales Herbarium welches auch im offline Modus funktioniert. Pflanzen und hier im speziellen Bäume, werden dabei aus verschiedenen Winkeln fotografiert und im Anschluss durch die App bestimmt. Zusätzlich wird der Standort durch die GPS Daten erfasst. Um eine Zuordnung zu gewährleisten muss in das Notizfeld jeder Meldung einfach „Baumriese“ und der gemessene Umfang in Zentimeter eingetragen werden (Bsp.: Baumriese, 542 cm).  Monatlich erfolgt eine Aktualisierung der neu erfassten Baumriesen. Die monatlich aktualisierte Standortkarte und weitere Hintergrundinformationen werden zunächst, bis zur Etablierung einer eigen „Baumriesen-Plattform´´, auf findetsachsensbaumriesen.de veröffentlicht. Zusätzliche Informationen gibt es auch auf Instagram.

„Findet Sachsens Baumriesen´´startet mit einer Auftaktveranstaltung am 16.07.2021 bei Wermsdorf in Nordachsen.

Findet Sachsens Baumriesen ist ein Kooperationsprojekt von: UferLeben Störmthaler See e.V., dem Staatsbetrieb Sachsenforst, der Sächsischen Landesstiftung für Natur und Umwelt und RegioCrowd 

Inhaltliche Aspekte / Umweltbildung: 

– erleben mit eigenen Augen wie wenig wirklich alte Bäume es noch gibt (man kann nur schützen, was man kennt) 

– Ökokosmos alter Baum: Woran erkenne ich einen wertvollen Biotopbaum? Wieso sind diese Biotopbäume so wichtig?

– Kohlenstoffsenke alter Wald vs. Neupflanzung

Ziele: 

– sachsenweite Kartierung alter Biotop-Bäume

– Sensibilisierung der Bevölkerung für den Erhalt und Schutz der Bäume 

Ausblick: 

– die Bäume könnten als Trittsteine für neu zu entwickelnde Grünzüge bzw. zur Biotopvernetzung dienen 

– Unterschutzstellung noch unbekannter wertvoller Baumbiotope 

– die alten Bäume könnten als genetische Quelle für Neupflanzungsaktionen dienen 

– Sensibilisieren für frühe Ersatzpflanzungen für in die Jahre gekommene Baumriesen 

– Baumschutz- und -pflegemaßnahmen ➔ Waldbesitzer und Kommunen als Partner  

– Integration der Baumriesen in touristische Konzepte

– Bildungsmaßnahmen und Aktionen rund um Baumriesen 

Projektinitiator: Dr. Stephan Schürer, Vorstandsvorsitzender Uferleben Störmthaler See e.V. 

Unterstützer/Fachpartner: 

Akademie der Landestiftung für Natur und Umwelt 

Katrin Weiner – Netzwerk Natur Sachsen

Axel Mitzka – Vorsitzender Verein Dübener Heide

Andreas Padberg – Leiter des Forstbezirk Leipzig, Staatsbetrieb Sachsen Forst

Dr. Matthias Nuß – Senckenberg Museum für Tierkunde Dresden 

Dr. Jana Wäldchen – Flora Incognita, Max-Planck-Institut für Biogeochemie Jena

Die Schirmherren der Aktion:  

Wolfram Günther – sächsischer Staatsminister für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft

Prof. Andreas Roloff – Direktor des Instituts für Forstbotanik und Forstzoologie der TU Dresden und Direktor des Forstbotanischen Gartens Tharandt

Prof. Dr. Christian Wirth – Geschäftsführender Direktor des Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung(iDiv)