Essbare Landschaften: Pilzwanderung am Störmthaler See

Auch dieses Jahr gab es wieder eine Pilzwanderung am Störmthaler See mit dem Pilzsachverständigen der Deutschen Gesellschaft für Mykologie Peter Rohland. Die Wanderung führte uns ausgehend von der Surfschule Leipzig entlang des Ufers in Richtung Aussichtspunkt Störmthal. Um 10 Uhr trafen sich 24 Pilz-Interssierte am Treffpunkt. Bei der Rekultivierung des Tagebaues wurden vor etwa 20 Jahren auch ein neuer Wald oberhalb des Ufers gepflanzt. Hierbei handelt es sich um sich abschnittsweise abwechselnde Monokulturen. Dies ist aus ökologischer Sicht natürlich eher schlecht. Jedoch für den Pilznovizen sehr interessant.

Birken Pilz aus Birkenbewuchs am Ufer

Denn in den Monokulturen lernt man die für die einzelne Baumart typischen Pilze kennen. Dies liegt daran, dass fast alle unsere Waldbäume von speziellen für die Baumart typischen, sogenannten Mykorrhiza Pilzen umwachsen sind. Mykorrhiza bedeute so viel wie Pilzwurzel. Schaut man sich die feinen Enden Wurzeln der Bäume genauer an entdeckt man ein feines Pilzgeflecht welches diese umgibt. An dieser Stelle findet ein reger Stoffaustausch zwischen Baum und Pilz statt von dem beide profitieren. Pilze liefern dem Baum zum Beispiel Phosphor und Stickstoff und als Gegenleistung erhält der Pilz Zucker. Diesen kann der Pilz aus Mangel an Chlorophyl nicht produzieren. Unter den Pilzen gibt es Spezialisten die nur in Symbiose mit einer speziellen Baumart existieren können wie zum Beispiel der Goldröhrling und die Lerche. Auf der anderen Seite gibt es Generalisten wie den Steinpilz der in Symbiose mit Buche, Eiche oder Fichte leben kann. Also fanden wir zum Beispiel in der Fichtenschonung Butterpilze, in den Birkenbeständen am Ufer Birkenpilze und in den Lerchenschonungen den o.g. Goldröhrling. In Folge hatten Pilzesucher die an verschieden Standorten unterwegs waren auch unterschiedliche Pilzarten in ihren Körbchen. Zum Ende sammelten wir noch etwas Wiesensalbei und wilden Oregano.

Zupfen des Wilden Oreganos

Im Anschluß gingen wir mit vollen Körben zum Gasthof Muckern. Hier erwartete uns Foodcoach Yvonne Hilla mit einer leckern Pastinaken-Boskoop Suppe zur Begrüßung. Im Anschluß putzen wir an der frischen Luft die Pilze. Aus diesen zauberte Yvonne ein phantastisches Pilzragout mit Kürbisstampf, gebackenem Miso-Spitzkohl, frischem Wiesengrün und Kohlrabi-Kombucha-Pickle. Dieses genossen wir im wohl temperierten Gasthof.

Pilze putzen in der Außenküche des Gasthof Muckern

Am Ende war der Tag eine gelungen Kombination aus Bewegung an der frischen Luft, Naturbildung und Kulinarik. Den Tag gestalteten wir in Kooperation mit Leipzig Grün und dem Ernährungsrat Leipzig.

Pastinaken-Boskoop Suppe
Pilzragout mit Kürbisstampf, gebackenem Miso-Spitzkohl, frischem Wiesengrün und Kohlrabi-Kombucha-Pickle

PS.: Über unserem vielfältigen und landschaftlich äußerst reizvollen Pilzsuchgebiet Gebiet schwebt aktuell das Damoklesschwert der touristischen Entwicklung. Hier sollen unter anderem ein eigezäuntes Strandbad für 1200 Menschen mit Parkplatz am Rundweg, Busswendeschleife, Rettungsschwimmerturm, Gastronomie, etc. entstehen. Mehr dazu unter folgenden Link.

Pilzsachverständiger Peter Rohland
Stolze Finder und
Finderinnen