Blume des Jahres 2021: Der Große Wiesenknopf

Die Halme wiegen sich im Wind. Blütenreich und duftend liegt die Wiese vor uns. Über ihr schweben bunte Falter, der vielstimmige Chor der Heuschrecken erfüllt die Luft. Bei jedem Schritt springen und flattern Insekten davon. Bald wird die Wiese gemäht. Das getrocknete Heu dient später dem Vieh als Futter (Loki Schmidt Stiftung).

Der Große Wiesenknopf gehört zur Familie der Rosengewächse und ist in Eurasien weit verbreitet. Es ist eine ausdauernde, krautig wachsende Pflanze die Wuchshöhen zwischen 30 und 120 cm erreicht. Aufgrund der schwindenden Feuchtwiesen befindet sich der Große Wiesenknopf in Deutschland auf der Vorwarnliste der Roten Liste.

Zeichnung Grosser Wiesenknopf von Jutta Ende, Loki-Schmidt Stiftung

Mit der diesjährigen Blume des Jahres, dem Großen Wiesenknopf, möchte die Stiftung Naturschutz Hamburg und Stiftung zum Schutze der Natur oder kurz Loki Schmidt Stiftung, auf den sehr artenreichen und bedrohten Lebensraum der extensiv genutzten Feuchtwiesen aufmerksam machen. Feuchtwiesen waren einst ein wichtiger Bestandteil der traditionellen Landwirtschaft. Diese Feuchtwiesen zeichnen sich wie der Name schon sagt durch eine sehr hohe Bodenfeuchte aus. Diese entsteht durch Staunässe oder Quellaustritte. Das besondere am Biotop der Feuchtwiese ist, das dieser Lebensraum, ohne menschliches oder auch tierisches Zutun, innerhalb weniger Jahre verschwinden kann. Das heißt, sie muss ein bis zweimal im Jahr gemäht oder beweidet werden. Diese Feuchtwiesen sind in Deutschland durch Entwässerung, intensive Düngung, zunehmende Trockenheit, zu häufige Mahd bzw. Überweidung und aber auch durch den Umbruch in Ackerland stark in ihren Bestand rückläufig. Dies hat zur Folge, daß immer mehr Arten die auf diesen Lebensraum angewiesen sind, auf der Roten Liste gefährdeter Arten landen. Beispielhaft für die Komplexität des Lebensraum Feuchtwiese ist die besondere Lebensgemeinschaft zwischen Großen Wiesenknopf, Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling und der Roten Knoten Ameise. Der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling ist ein Tagfalter aus der Familie der Bläulinge. Die Art ist auf europäischer Ebene nach Anhang II und IV der FFH-Richtlinie streng geschützt. Der Schmetterling benötigt den Großen Wiesenknopf als Nahrungsquelle, Ruhe-, Schlaf-, Paarungs- und Eiablagestätte. Die Eier legt das Weibchen tief zwischen den einzelnen Knospen des Blütenkopfes ab. Die Raupe ernährt sich zunächst von den Blüten der Pflanze und lässt sich nach der dritten Häutung zu Boden fallen. Am Boden angekommen wird die Raupe von den Roten Knotenameisen in deren Bau getragen. Hier überwintert die Raupe und ernährt sich von der Ameisenbrut. In dieser Zeit frisst die Raupe bis zu 600 Ameisenlarven. Im Sommer schlüpfen die Falter in der Nähe des Ausgangs des Ameisennestes.

Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling

In unserer Region zwischen Neuseenland und Muldental gibt es noch einige dieser Feuchtwiesen auf denen sowohl der Große Wiesenknopf und auch der Dunkle Wiesenkopf Ameisenbläuling beheimatet ist. Der neu gegründete STADT-UMLAND LANDSCHAFTSPFLEGEVERBAND LEIPZIGGRÜN führt derzeit eine Bestandsaufnahme in unserer Region durch. In Folge wäre zum Beispiel eine Wiesenbiotopvernetzung durch einen unter Schutz gestellten überregionalen Grünzug wünschenswert. Dieser müsste dann natürlich auch regelmäßig bewirtschaftet werden.

Über Meldungen von Wiesen mit Beständen vom Großen Wiesenknopf im Landkreis Leipzig (Bitte mit Bild und GPS Daten) würden wir uns sehr freuen: natur@uferleben.de

Feuchtwiese im Landkreis Leipzig